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Bedanken
Lieber Jassonkel
Beiliegend präsentiere
ich Dir ein Problem, das von unserer Jassrunde nicht gelöst werden
konnte. Bei einem gewöhnlichen Schieber benötigte Partei B zum Ausmachen
noch 56 Punkte. Partei A hatte Trumpf angesagt und zählte
selbst nach Spielende 100 Punkte. Partei B schrieb die Differenz,
also 57 Punkte und bedankte sich. A zählte nun seine
Karten noch einmal und stellte fest, dass er sich zu seinen Ungunsten
um 10 Punkte verzählt hatte und effektive 110 Punkte totalisiert
hatte. Unser Problem: Einerseits hat sich B zu früh bedankt
und hätte normalerweise das Spiel verloren. Immerhin wurde
das zu frühe Bedanken durch die falsche Zählung
von A ausgelöst. Frage: Ist B verpflichtet,
auch zu zählen, oder darf er sich auf seinen Gegner berufen?
Im vorliegenden Fall
wurde einfach weiter gespielt und Partei B musste die fehlenden
10 Punkte noch erspielen. Ist diese Entscheidung streng rechtlich
haltbar?
Mit freundlichen Grüssen
Dein Neffe E. S.
Mein lieber Neffe E.
S. in Alpnachdorf
Es gibt im täglichen
Leben, und da ist auch der Jass nicht ausgeschlossen, ein Prinzip
von Treu und Glauben, wonach man sich auf ein gegebenes Wort oder
Auskunft sollte verlassen können. Das könnte noch manch argen «Mais»
absetzen, wenn ein Jasser absichtlich falsch zählt und seinem Gegner
mit einem treuherzigen Augenaufschlag bestätigt, dass er genügend
Punkte habe, um nach dem Bedanken hämisch festzustellen, dass er
sich zu früh bedankt habe und deshalb das Spiel verloren sei! Nein,
mein lieber Neffe aus dem Obwaldner Land, dann spiele ich lieber
«Nünistein » mit «Figge» und « Mühle», da sind solche Tricks gestattet.
Trotzdem im Jassreglement
nicht darüber geschrieben ist, wer zu zählen hat, kann ich mir eine
Bemerkung nicht verkneifen. Unter Jasskollegen ist es allgemein
üblich, dass diejenige Partei die Karten nachzählt, die weniger
Punkte gemacht hat. Herr B scheint mir aber ein gar bequemer Herr
zu sein, dass er sich nicht einmal diese Mühe nahm, obwohl sogar
noch der Partiegewinn auf dem Spiele stand. Eigentlich hätte ihm
ein kleiner Denkzettel gehört, aber Partieverlust ankreiden war
selbstverständlich nicht möglich. Weiterspielen, wie Ihr getan habt,
war unter den obwaltenden Umständen das einzig Richtige. Vielleicht
kannst Du Herrn B das nächstemal in aller Freundlichkeit bitten,
selbst nachzuzählen. Wenn es ihm gar zu anstrengend ist, kann ihm
ja sein eigener Partner die Mühe abnehmen.
Mit herzlichen Grüssen,
auch an Herrn B Dein Jassonkel
Lieber Jassonkel
Heute möchten vier
harte «Urnergrinden» um Deinen Rat bitten. Wir spielten in lsleten
am Urnersee einen Schieber. Ausser erzielten «Match» 20 Rappen
extra ausgemacht. Im kritischen Fall - es war beim achten
Spiel - bedankte sich Partei A. Partei B wollte die
restlichen vier Karten einziehen, um zur Kontrolle nachzuzählen.
Partei A war aber damit nicht einverstanden, denn
sie wollte noch fertig spielen, um eine mögliche Matchprämie noch
einzukassieren. Partei B bestand aber darauf da nach ihrer
Meinung nach dem Bedanken das Spiel beendet ist. Wir alle
unterziehen uns Deinem Urteil und danken Dir zum voraus bestens.
Freundliche Grüsse
von den vier aufgebrachten Jassern, besonders von Deinem Neffen
H. A.
Mein lieber Neffe
H. A. in Erstfeld
So schlimm wird es
mit Euren «Urnergrinden» auch nicht sein, sonst würdet Ihr Euch
nicht einträchtig dem Urteil des Jassonkels unterziehen. Wegen den
strittigen 20 Rappen wird der Pleitegeier kaum die Runde in Erstfeld
machen. So viel hängt also von meiner Antwort nicht ab, es geht
bei Euch mehr ums Recht haben, und das hat unzweifelhaft die Partei
B. Bei allen Jassarten, bei denen man mit «Bedanken» ausmachen kann,
ist das Spiel beendet, egal ob man noch einen Match machen könnte
oder nicht. Wenn auch das Jassreglement nicht wörtlich das Spiel
als beendet erklärt, kann die sinngemässe Auslegung nicht anders
sein, denn es steht darin: «Wer sich bedankt, ohne die Punktzahl
erreicht zu haben, hat ohne weiteres die Partie verloren.» Bei einer
andern Deutung könnte nämlich eine Partei, die sich irrtümlich bedankt
hat, behaupten, das Spiel sei noch nicht fertig, sie könne sich
am Schluss nochmals bedanken. Übrigens ist die Partei selbst schuld,
wenn ihr der zwanziger durch die «Latten» gegangen ist. Wahrscheinlich
hat sie sich ohne zwingenden Grund vorzeitig bedankt. Sie hätte
in aller Ruhe das Spielende abwarten und sich erst dann bedanken
können. Dann hätte die Partei B selbstverständlich zahlen müssen.
Mit herzlichen Grüssen
Dein Jassonkel
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