| Jassauskunft |
| Falsches
Stechen |
|
Falsches
Stechen
Lieber Jassonkel
Bei unserem - sonst
so friedlichen Damen-Jasskränzchen, ist kürzlich ein Problem
aufgetaucht, das zu einer heftigen Diskussion führte. Bei einem
Schieber hat die Gegenpartei Schiltentrumpf angesagt. Beim dritten
oder vierten Umgang gab ich als erste das Rosen-As, meine erste
Gegnerin den Rosenbanner. Meine Partnerin, unschlüssig was sie angeben
soll, zögerte. Die zweite Gegnerin als letzte wurde ungeduldig und
warf den Trumpf-Achter vor meiner Partnerin. Diese reagierte nun
blitzschnell, stach mit dem Trumpfnell und wollte den Stich einheimsen.
Unsere Gegnerin verwahrte die Absicht mit dem Hinweis, dass Untertrumpfen
nicht gestattet sei. Sie nahm den Trumpf-Achter zurück und stach
nun ihrerseits mit dem Schiltenbauer. Davon waren wir verständlicherweise
nicht eben begeistert, aber dem Frieden zuliebe liessen wir es dabei
bewenden. War es richtig?
Mit lieben Grüssen
Deine Nichte R .A.
Nein, meine liebe Nichte
R. A. in Luzern, es war nicht richtig, aber trotzdem ein Kompliment
für Euer «Fair play». Im ersten Augenblick dachte ich, es sei ein
ganz kniffliges Problem, das mit dem Jassreglement allein nicht
zu lösen sei. Aber auch hier gibt es die richtige Antwort. Am Anfang
steht die Kernfrage: Wer hat zuerst einen Fehler begangen? Bestimmt
die Gegenpartei, denn Nachdenken beim Jassen ist nicht verboten!
Es darf keine Karte gelegt werden, bevor man an der Reihe ist. Wohl
darf nicht untertrumpft werden, aber nach Reglement darf man auch
nicht mehr stechen. wenn man eine falsche Karte gegeben hat... Der
Fall liegt klar. Deine Partnerin muss das Nell liegen lassen, die
Gegnerin den Trumpf-Achter zurücknehmen und normal farben. Aber
stechen durfte sie nicht. Das Spiel gehörte Euch und Deine Partnerin
hätte von neuem ausgegeben müssen.
Mit lieben Grüssen
Dein Jassonkel
Lieber Jassonkel
Als wir vor einiger
Zeit einen Schieber klopften, ist folgendes passiert: Spieler A1
gibt Eichel aus. Gegner B1 legt eine Schelle und Partner A2 macht
den Stich. Dieser gibt nun sofort eine Schelle und nun folgt der
wunde Punkt. Gegner B1 ruft: «Halt, ich habe noch das Eichel-As,
der vorherige Stich gehört mir!» Damit war aber Partei A nicht einverstanden.
Nun möchte ich Dich anfragen, lieber Jassonkel.- Welcher Partei
gehört nun tatsächlich der Stich?
Mit bestem Dank. Dein
Neffe E. R.
Mein lieber Neffe E.
R. im Tessin
Zufällig wurde im letzten
Jassbriefkasten eine ähnliche Frage, allerdings für den Pandur,
gestellt. Ausnahmsweise wurde dieser Fall im Jassreglement mehr
oder weniger klar behandelt. Ein Zeichen dafür, dass fehlerhaftes
Angeben einer Karte beinahe bei jeder Jasspartie vorkommt. Es (das
Reglement) schreibt: «Wer eine unrichtige Karte angibt, und der
Irrtum wird während dem gleichen Spiel (gemeint ist natürlich die
Spielrunde) entdeckt, muss die unrichtige Karte wieder zurücknehmen.
Er darf aber den betreffenden Stich nicht mehr stechen, es sei denn,
er habe keine kleinere Karte in der Hand. Wird der Irrtum wohl während
dem gleichen Spiel, aber später entdeckt, so hat die Gegenpartei
das Recht, das Spiel, nicht aber die Partie zu annullieren.»
Primär für uns ist
der letzte Satz von Wichtigkeit. Partner A2 hat bereits ausgespielt,
als Gegner B1 feststellte, dass er noch im Besitz des Eichel-As
war und den vorigen Stich für sich beanspruchte. Partei A hätte
also sofort verlangen können, dass das Spiel annulliert und die
Karten neu verteilt würden, sofern es im Interesse der Partei A
gelegen wäre. Aber wie gesagt, es war keine Verpflichtung. Da eine
Korrektur ohne Durcheinander möglich war, hätte nach gemeinsamen
Wunsch der Partei A, Spieler B1 den umstrittenen Stich mit dem As
stechen können. Weil er aber das As «blutt» hatte, hätte die Partei
A natürlich keinen Anspruch auf den Stich gehabt.
Mit herzlichen Grüssen
Dein Jassonkel
|
|