|
|
Der
Zuger
Lieber
Jassonkel
Deine Beiträge im Jassbriefkasten
habe ich immer aufmerksam gelesen. Nun möchte ich Dich auch einmal
aber den «Zuger» befragen, der mein Leibjass ist Vor einiger Zeit
spielten ein Kollege und ich in einem Restaurant mit einem Fremden
den Zugerjass. Beim «Zuger» spielt ja jeder für sich allein. Er
muss aber 21 Punkte machen, damit er nicht herunterfällt. Was je
nach «Fabrik» einen empfindlichen Abzug gibt. Wir spielten vierfach,
dreifach, doppelt und obligatorisch. Sei einem Spiel - Schelle war
vierfach - machten alte drei Spieler mit. Mein Kollege hatte Hundert
vom Rosen-As und gab seinen einzigen Trumpf aus. Ich hatte das Nell
zu dritt, mit dem man normalerweise 21 Punkte machen sollte. Ich
hütete mich aber wohlweislich, mit dem Nell sofort hineinzustechen,
um dem Fremden keine Gelegenheit zu geben mich «hinunterreiten»
zu können. Der dritte Spieler hatte aber Hundert vom Schellen-As,
so dass mein Kollege erklärte, er nehme die vierzig Minuspunkte
freiwillig an, wir könnten das Spiel teilen. Der Fremde war aber
nicht einverstanden, ich offerierte ihm noch freiwillig «mehr vom
Spiel», auch diese Offerte nahm er nicht an und es gelang ihm tatsächlich,
dass auch ich noch herunterfiel. Ich war ernsthaft verschnupft und
machte dem Fremden Vorwürfe, er sei ein geiziger Jasser. Dieser
liess sich aber nicht belehren und behauptete, dass ich vom «Zuger»
nichts verstehe. Ich war ziemlich beleidigt, machte den Jass noch
fertig und ging. Nun sage mir, lieber Jassonkel, wer hat recht,
der Fremde oder ich?
Herzlich grüsst Dein
Neffe J. R.
Mein lieber Neffe J. R. in S.
Wenn Du mich direkt befragst, muss
ich Dir leider auch direkt mitteilen: der Fremde hatte recht. Der
«Zuger» ist der Jass der Wölfe. Bei jedem Spiel trachtet man einen
Spielpartner zu zerfleischen und schon beim nächsten Umgang spannt
man mit eben diesem Opfer wieder einträchtig zusammen, um den andern
zu erwischen. Der «Zuger» ist also der ideale Jass für Politiker
und Diplomaten. Viele sagen deshalb, der «Zuger» sei ein dreckiger
Jass. Das ist nicht wahr. Dreckig wird er erst wenn er zum Abreisserjass
wird, wenn zwei Spielpartner immer gegen den dritten spielen und
sich gegenseitig «schonen». Der «Zuger» ist ein harter und schonungsloser
Jass. Wer ihn spielt, muss sich darüber im klaren sein, dass bei
jeder Runde ein Mitspieler herunterfallen sollte, oder er bleibt
zu Hause. Dann wird normalerweise das Spiel einfach geteilt. Wer
es nicht erträgt, dass er rücksichtslos, aber korrekt aufs Korn
genommen wird, der lasse den « Zuger» lieber sein und mache einen
«Bieter» oder «Schieber».
Es tut mir leid, dass
ich diesmal nicht auf Deiner Seite stehen kann. «Nichts für unguet.»
Mit herzlichen Grüssen
Dein Jassonkel
|
|